Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit bei Kindern

Hörstörungen bei Kindern können infolge einer Infektion auftreten. Aber auch bestimmte Einflüsse in der Schwangerschaft sind mögliche Auslöser. Lässt sich die Ursache der Hörstörung nicht beheben, bieten verschiedene Hörgeräte oder eine Hörprothese Unterstützung.

Auf einen Blick

  • Um hören zu können, nimmt das Ohr Schallwellen auf und wandelt sie in Nervenreize um. Diese Reize werden vom Gehirn verarbeitet – man nimmt Geräusche wahr und hört, dass jemand spricht.
  • Kinder, die schwerhörig oder gehörlos sind, verstehen Sprache nur begrenzt oder gar nicht. Auch Geräusche nehmen sie nur eingeschränkt wahr.
  • Häufig lösen Infektionen Hörstörungen aus. Diese sind in der Regel vorübergehend und lassen sich beheben.
  • Bleibt eine Hörstörung bestehen, kommen verschiedene Hörgeräte oder eine Hörprothese (Cochlea-Implantat) infrage, um das Hören zu ermöglichen.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Eine Frau legt einem kleinen Jungen ein Hörgerät an.

Was ist Schwerhörigkeit und was ist Gehörlosigkeit?

Hören wird ermöglicht, indem das Ohr Schallwellen aufnimmt und sie in Nervenreize umwandelt. Diese Reize werden an das Gehirn zur Weiterverarbeitung übermittelt, sodass man schließlich Töne und Geräusche bewusst wahrnimmt und als Sprache oder Musik erkennt. Nehmen Menschen Sprache und Geräusche nur begrenzt oder gar nicht wahr, spricht man von Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit.

Für Hörstörungen bei Kindern gibt es unterschiedliche Ursachen. So können beispielsweise Infektionen eine Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit auslösen. Lassen sich die Auslöser nicht beheben, ist es möglich, verschiedene Hörgeräte oder eine Hörprothese (Cochlea-Implantat) einzusetzen. Bleibt die Hörstörung bei kleinen Kindern unbehandelt, kann das Störungen der Sprachentwicklung zur Folge haben.

Mehr Informationen dazu, wie Hören und Sprechen funktionieren, finden Sie auf gesundheitsinformation.de.

Welche Symptome weisen auf eine Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit hin?

Dass das Hörvermögen bei Kindern eingeschränkt ist, lässt sich an verschiedenen Anzeichen erkennen. Bei einer leichten Einschränkung versteht ein Kind beispielsweise nicht, wenn man ihm etwas zuflüstert. Hat das Kind eine mäßig ausgeprägte Schwerhörigkeit, hört es nur laute Geräusche, bei einer starken Schwerhörigkeit nur sehr laute. Bei Gehörlosigkeit nehmen Kinder hingegen Töne und Geräusche nur als Vibrationen wahr. Je nach Ursache können beide Ohren oder nur eines betroffen sein.

Hörstörungen bei Neugeborenen und kleinen Kindern bemerkt man oft nicht sofort. Meist fallen sie auf, wenn Eltern feststellen, dass ihr Kind kaum oder gar nicht auf Geräusche reagiert. Ein anderes Indiz: Das Kind bemerkt nur, dass man mit ihm spricht, wenn es auch das Gesicht der sprechenden Person sieht.

Welche Auslöser für Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit gibt es?

Die Ursachen für Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit bei Kindern sind unterschiedlich. Bei manchen kommt es schon vor der Geburt zu Entwicklungsstörungen des Gehörs.

Ist die Hörstörung erblich bedingt, ist neben dem Hörsinn manchmal auch die Funktion anderer Organe gestört – beispielsweise der Nieren, der Augen, des Herzens oder der Schilddrüse.

Welche Faktoren begünstigen Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit?

Infektionskrankheiten bei Schwangeren können das Risiko für Hörschäden beim ungeborenen Kind erhöhen. Dazu zählen Cytomegalie, Röteln oder Toxoplasmose.

Auch die Einnahme von bestimmten Antibiotika oder Krebsmedikamenten sowie der Konsum von Drogen und Alkohol während der Schwangerschaft beeinflussen mitunter die Entwicklung des kindlichen Gehörs. Zudem kann Sauerstoffmangel während der Geburt das Gehör des Kindes schädigen.

Kommt es zu Hörstörungen nach der Geburt, sind vor allem Infektionen mit Bakterien oder Viren die Auslöser. Zu einem vorübergehend eingeschränkten Hören kommt es oft, wenn die richtige Belüftung des Mittelohrs nicht mehr gewährleistet ist und sich dort Flüssigkeit ansammelt („Paukenerguss“). Grund dafür sind zum Beispiel vergrößerte Mandeln oder eine Entzündung des Mittelohrs. Dass Hörstörungen bestehen bleiben, kommt seltener vor. Manchmal treten sie auch als Komplikation von Erkrankungen wie einer Hirnhautentzündung (Meningitis), Masern oder Mumps auf.

Außerdem begünstigt Lärm die Entwicklung einer Schwerhörigkeit. So kann etwa häufiges Hören von Musik über zu laut eingestellte Kopfhörer dem Gehör schaden. Hörstörungen können aber auch infolge eines lauten Knalls auftreten – zum Beispiel, wenn Feuerwerkskörper oder Spielzeugpistolen zu nah am Ohr explodieren. Selten spielen Verletzungen des Schädels eine Rolle.

Wie häufig kommen Hörstörungen bei Kindern vor?

Bei circa 1 bis 3 von 1.000 Neugeborenen kommt es zu einer mäßigen oder stärkeren beidseitig bleibenden Hörstörung. Bei etwa ebenso vielen Kindern entwickelt sie sich im Lauf des Lebens.

Rund 80.000 Kinder in Deutschland haben ein stark eingeschränktes Hörvermögen. Weltweit sind es etwa 32 Millionen Kinder.

Etwa 80.000 Kinder in Deutschland haben ein stark eingeschränktes Hörvermögen.

Wie entwickelt sich eine Hörstörung?

Wie eine Hörstörung verläuft, hängt von den Ursachen ab: Ist der Grund für das eingeschränkte Hörvermögen eine Mittelohrentzündung, ein Paukenerguss oder ein mit Ohrenschmalz verstopfter Gehörgang, besteht die Schwerhörigkeit nur vorübergehend.

Sind Fehlbildungen, angeborene oder erworbene Schädigungen des Innenohrs die Auslöser, kommt es meist zu einer dauerhaften Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit.

Wie lässt sich Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit vorbeugen?

Lärm ist schädlich für das Gehör. Bei Kindern und Jugendlichen spielt vor allem Musikhören über Kopfhörer eine Rolle. Es ist bisher noch nicht sicher geklärt, ab welcher Lautstärke sich das Risiko für eine Hörschädigung erhöht. Denn wichtig ist auch, wie lange die Ohren Lärm ausgesetzt sind. Expertinnen und Experten empfehlen, nicht länger als eine Stunde am Tag Musik über Kopfhörer mit mehr als der Hälfte der maximal einstellbaren Lautstärke zu hören.

Angeborenen Hörstörungen kann man nicht vorbeugen. Man kann jedoch eine genetische Beratung in Anspruch nehmen, wenn:

  • ein Kinderwunsch besteht und mindestens einer der Partner seit der Geburt schwerhörig oder gehörlos ist
  • angeborene Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit gehäuft in der Familie vorkommt

Es gibt einige Maßnahmen, mit denen sich Entwicklungsstörungen des Gehörs beim Kind während der Schwangerschaft vermeiden lassen. Dazu zählen:

  • nicht rauchen
  • keine Drogen und keinen Alkohol konsumieren
  • sich ärztlich beraten lassen, wenn man Medikamente einnehmen muss, die sich schädigend auswirken können
  • Infektionen mit dem Röteln- oder Cytomegalievirus vorbeugen, indem man Hygienemaßnahmen einhält. Gegen Röteln kann man sich impfen lassen.

Wichtig zu wissen: Neben Röteln können auch Infektionskrankheiten wie Masern oder Mumps Hörstörungen auslösen. Mit einer Impfung gegen diese viralen Erkrankungen ist es möglich, einer Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit bei Kindern vorzubeugen.

Wie kann man Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit frühzeitig erkennen?

Kinder mit einer angeborenen Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit, bei denen die Hörstörung nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, lernen nur schwer oder gar nicht zu sprechen. Das kann viele Bereiche ihres Lebens beeinflussen und ihre Entwicklungsmöglichkeiten beeinträchtigen. Gleiches gilt, wenn sich die Hörstörung in den ersten Lebensjahren entwickelt und unentdeckt bleibt.

Deshalb prüft man das Hörvermögen von Säuglingen routinemäßig direkt nach der Geburt, um angeborene Hörstörungen so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln.

Da Babys nicht mitteilen können, ob sie etwas hören oder nicht, sind bei ihnen Untersuchungen wie der Stimmgabeltest zur Früherkennung wenig sinnvoll. Daher messen Ärztinnen und Ärzte die Aktivität der Sinneszellen oder des Gehirns, wenn den Kindern Töne vorgespielt werden. Aus diesen Werten lässt sich ableiten, wie gut das Gehör funktioniert.

Weitere Informationen zu routinemäßigen Hörtests bei Neugeborenen finden Sie bei gesundheitsinformation.de.

Wie diagnostiziert man Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit?

Hat man den Verdacht, dass eine Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit beim Kind besteht, untersucht die Ärztin oder der Arzt zunächst die Ohren. Mithilfe einer Ohrspiegelung lässt sich herausfinden, ob der Gehörgang entzündet ist oder Probleme im Mittelohr bestehen.

Um herauszufinden, um welche Art von Hörstörung es sich handelt und wie stark diese ausgeprägt ist, kommen verschiedene Hörtests zum Einsatz. So spielt man den Kindern zum Beispiel über Kopfhörer lauter werdende Töne vor und sie geben ein Zeichen, sobald sie etwas hören können. Wie viel Zeit dabei vergeht, gibt Aufschluss darüber, wie gut oder schlecht ihr Hörvermögen ist.

Bei kleineren Kindern hilft es, die Untersuchungen spielerisch zu gestalten. Manchmal hält die Ärztin oder der Arzt einem Kind eine schwingende Stimmgabel in festgelegter Abfolge an den Kopf und vor die Ohren. Dabei erfasst man, wie lange das Kind den Ton der Stimmgabel hört. Mit solchen Tests lässt sich nicht nur ermitteln, ob das Kind mit einem Ohr schlechter hört als mit dem anderen, sondern auch, ob die Ursache im Mittelohr oder im Innenohr liegt.

Um festzustellen, was die genaue Ursache ist und welche Behandlungen möglich sind, sind oft weitere Tests und Untersuchungen notwendig. So kann man zum Beispiel die Schwingungen des Trommelfells messen. Diese Methode heißt Tympanometrie.

Wie wird eine Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit behandelt?

Wenn eine Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr der Grund für die Schwerhörigkeit ist, lässt sich diese beheben, indem man die Flüssigkeit absaugt. Auch andere Ursachen kann man mitunter direkt behandeln und den Hörverlust damit rückgängig machen.

Ist es nicht möglich, den Hörverlust zu beheben, hilft ein Hörgerät. Dieses verstärkt die Schallwellen und lenkt sie ins Innenohr. Voraussetzung dafür ist, dass noch ein restliches Hörvermögen vorhanden ist.

Besteht eine Gehörlosigkeit oder helfen Hörgeräte nicht, kommt ein Cochlea-Implantat infrage. Dieses Gerät ermöglicht es, akustische Reize wahrzunehmen. Beim Einsatz von Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten können Übertragungsanlagen zusätzlich unterstützen: Sie senden akustische Informationen direkt an die Hörhilfe. Solche Anlagen lassen sich beispielsweise im Schulunterricht an ein Mikrofon koppeln. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten dafür. Auch kann man eine pädagogische Förderung der Kinder in Anspruch nehmen.

Mehr zur Behandlung einer Hörstörung, beispielsweise wann ein Hörgerät sinnvoll ist, lesen Sie auf gesundheitsinformation.de.

Was ist wichtig für den Umgang mit Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit?

Bekommen Eltern gesagt, dass ihr Kind eine Hörstörung hat, sind sie zunächst meist tief betroffen und machen sich Sorgen über die Entwicklung und Zukunft ihres Kindes. Zudem bestimmen viele Untersuchungs-, Behandlungs- oder Reha-Termine den Alltag – vor allem, wenn die Hörstörung stark ausgeprägt ist. Manchmal ist es dafür auch nötig, in weit entfernte Spezialkliniken zu fahren.

Informationen helfen in dieser Phase enorm: Eltern sollten die Chance haben, sich mit Ärztinnen und Ärzten ausführlich zu beraten und Informationsmaterial zur vorliegenden Hörstörung zu erhalten, welches verständlich und ausgewogen über die Behandlungsmöglichkeiten aufklärt.

Neben einer professionellen Gesundheitsberatung ist es wesentlich, Angehörige oder Freundinnen und Freunde zu haben, die einen unterstützen. Auch der Austausch mit anderen Eltern, deren Kinder schwerhörig oder gehörlos sind, hilft oft sehr.

Ein Kind mit einer Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit kann sich genauso gut entwickeln wie ein Kind ohne Hörstörung. Vielen Eltern tut es gut, das zu wissen. Allerdings muss man dafür einige Herausforderungen meistern: Fällt es dem Kind schwer sich zu verständigen, kann das zum Beispiel zur Folge haben, dass es sich in einer Regelschule oder auch bei Hobbys und im Sport ausgegrenzt fühlt.

Hörgeräte oder Hörprothesen erleichtern die Kommunikation. Damit das gut gelingt, sind jedoch ein geduldiges Training und viel Förderung notwendig. Dafür braucht man Zeit und Kraft.

Das kann wiederum dazu führen, dass man sich stärker mit seinem Kind verbunden fühlt und es einem leichter fällt, Lernerfolge wertzuschätzen oder insgesamt entspannter zu sein. Einigen Eltern gibt es auch Kraft, sich aktiv für bessere Bedingungen für das eigene Kind und andere Menschen mit Hörstörungen einzusetzen.

An wen kann man sich bei Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit wenden?

Wenn Sie Anzeichen für eine Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit bei Ihrem Kind vermuten, wenden Sie sich zunächst an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt. Sie oder er kann Sie dann bei Bedarf an eine Facharztpraxis überweisen.

Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen zu vernetzen, die wissen, welche Beschwerden, Gefühle und praktischen Probleme mit Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit verbunden sind. Zusätzlich findet man Unterstützung durch Informations- und Beratungsangebote.

Auf der Website der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) können Sie über eine Datenbank nach geeigneten Selbsthilfe-Angeboten suchen.

  • Brandes R, Lang F, Schmidt R. Physiologie des Menschen: mit Pathophysiologie. Springer: Berlin 2019.
  • Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGNO-KHC). Implantierbare Hörgeräte. S2k-Leitlinie. AWMF-Registernummer 017 – 73. 12.2017.
  • Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP). Periphere Hörstörungen im Kindesalter. S2k-Leitlinie. AWMF-Registernummer 049-010. 09.2013.
  • Eppinger M, Müller M. Pädiatrie für Studium und Praxis. Medizinische Verlags- und Informationsdienste: Breisach 2016.
  • Erbasi E, Scarinci N, Hickson L et al. Parental involvement in the care and intervention of children with hearing loss. Int J Audiol. 2018 May;57(sup2):S15-S26. doi: 10.1080/14992027.2016.1220679. Epub 2016 Sep 6. PMID: 27599106; PMCID: PMC5339060.
  • Lenarz T, Boenninghaus HG. Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer: Berlin 2012.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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