Illegale Drogen und Drogenabhängigkeit

Drogen können unterschiedliche Effekte auf ihre Konsumentinnen und Konsumenten haben: Sie steigern zum Beispiel das Wohlbefinden und lösen Gefühle der Euphorie aus. Lässt die Wirkung nach, ebben die Effekte ab. Das steigert oft den Wunsch, die Droge wieder zu nehmen. Das Risiko, von Drogen abhängig zu werden, ist hoch.

Auf einen Blick

  • Illegale Drogen sind zum Beispiel Ecstasy, Heroin, Kokain und Crystal Meth.
  • Der Konsum von Cannabis ist seit dem 01. April 2024 für Erwachsene unter bestimmten Voraussetzungen legal. Insbesondere für Kinder und Jugendliche ist der Konsum mit erhöhten Risiken verbunden und nach wie vor illegal.
  • Ein langanhaltender Drogenkonsum kann zu körperlichen und psychischen Folgeerkrankungen führen.
  • Ob sich eine Abhängigkeit entwickelt, hängt von der Substanz sowie sozialen und persönlichen Faktoren ab.
  • Es gibt staatliche Maßnahmen, um dem Konsum von Drogen und den damit verbundenen Problemen vorzubeugen.
  • Bei einer Drogenabhängigkeit kommen verschiedene Möglichkeiten der Hilfe infrage. 

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Eine Person reicht einer weiteren eine Tüte voller Pillen.

Was sind illegale Drogen?

Der Begriff illegale Drogen umfasst verschiedene Gruppen von psychoaktiven Substanzen, deren Beschaffung, Besitz und Konsum gesetzlich verboten ist. Dazu gehören beispielsweise Ecstasy, Kokain und Heroin. Psychoaktiv bedeutet, dass sich der Konsum dieser Substanzen auf die menschliche Psyche auswirkt. 

Eine Besonderheit unter den illegalen Drogen bilden die „Legal Highs“. Das sind neue psychoaktive Substanzen (NPS), die ähnlich wirken wie herkömmliche Drogen, aber als harmlose Räuchermischungen oder Badesalze getarnt und vermarktet werden. Bis 2016 war der Verkauf und Konsum von Legal Highs in Deutschland straffrei – daher stammt ihr irreführender Name. 

Der Konsum von Cannabis ist seit dem 01. April 2024 für Erwachsene in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen legal. Für Kinder und Jugendliche ist Cannabis weiterhin verboten. Auch andere Suchtmittel wie Alkohol und Nikotin wirken psychoaktiv, können abhängig machen und zu Folgeerkrankungen führen. Diese Substanzen kann man dennoch ebenso legal kaufen und konsumieren.

Ein häufiger Grund, warum Menschen Drogen konsumieren, ist die Rauschwirkung – also der stimulierende und euphorisierende Effekt. Andere nehmen Drogen, um sich zu entspannen, Ängste und Hemmungen abzubauen oder der Realität zu entfliehen.

Ein regelmäßiger und hoch dosierter Drogenkonsum kann abhängig machen.

Ein regelmäßiger und hoch dosierter Drogenkonsum kann abhängig machen und sowohl psychische als auch körperliche Erkrankungen zur Folge haben. 

Welche illegalen Drogen gibt es und welche Eigenschaften haben sie?

Es gibt eine Vielzahl illegaler Drogen. Zu den häufig konsumierten Substanzen zählen:

  • Amphetamine
  • Ecstasy
  • Heroin
  • Kokain
  • Methamphetamin
  • Halluzinogene

Amphetamine

Amphetamine werden überwiegend als Tabletten oder weißes Pulver („Speed“) gehandelt und konsumiert. Die Einnahme steigert das Selbstwertgefühl, sorgt für mehr Energie, erhöht die Geselligkeit und verbessert die Stimmung bis hin zur Euphorie. Als Tablette eingenommen, setzt die Wirkung nach etwa einer halben Stunde ein und hält mehrere Stunden an. Kommt es zu einer Überdosierung, zeigt sich das durch Herz-Kreislauf-Beschwerden, erhöhte Unruhe (Agitiertheit), Verwirrung, Misstrauen und Ängste, Impulsivität und Aggressivität. Das Risiko, von Amphetaminen abhängig zu werden, ist hoch. 

Ecstasy

Hinter Ecstasy steckt die chemische Substanz MDMA. Sie gehört zu der Gruppe der Methylendioxyamphetaminen. Ecstasy ist eine weit verbreitete Partydroge, die meist als Tablette eingenommen wird. Man kann Ecstasy aber auch schniefen oder rauchen. Ecstasy entfaltet seine Wirkung 1 bis 3 Stunden nach der Einnahme und hält für 4 bis 6 Stunden an. Menschen, die Ecstasy konsumieren, berichten zum Beispiel von einem gesteigerten Selbstbewusstsein, erhöhter Aufmerksamkeit und sexueller Erregung, verstärkter Entspannung und Glücksgefühlen. Ein regelmäßiger Konsum kann gesundheitliche Schäden verursachen. Zudem besteht die Möglichkeit, von Ecstasy psychisch abhängig zu werden. Vor allem bei Menschen, die sehr stark auf die positiven Effekte der Droge reagieren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch. 

Heroin

Chemisch gesehen ist Heroin 3,6-Diacetylmorphin – eine Substanz, die aus Morphin gewonnen wird – einem starken Schmerzmittel (Opioid). Die Wirkung hält circa 4 bis 5 Stunden an. Heroin kann aufgrund seiner chemischen Eigenschaften schnell ins Gehirn gelangen und dort hohe Konzentrationen erreichen, was zu einem schnelleren Einsetzen euphorischer Gefühle („Kick“) führt. Heroin wird überwiegend gespritzt. Das psychische und körperliche Abhängigkeitspotenzial ist hoch.

Es gibt zudem zwei Faktoren, die den Gebrauch von Heroin gefährlich machen: die unbekannte Heroinkonzentration in den verkauften Produkten und die oft unhygienische Injektion der Substanz, beispielsweise durch das Teilen einer Injektionsspritze. Mögliche Folgen sind Überdosierungen, Erkrankungen der Herzklappen oder Infektionskrankheiten wie Hepatitis und HIV. 

Kokain

Kokain wird aus Blättern der Koka-Pflanze gewonnen und zu einer Paste verarbeitet, die zu 80 Prozent reines Kokain enthält. Anschließend wird daraus ein weißes Pulver (Kokainhydrochlorid) hergestellt. Dieses kann man schlucken, schniefen oder spritzen. Der Konsum verbessert die Stimmung und löst Gefühle von Euphorie und gesteigerter Leistungsfähigkeit aus, erhöht die Aktivität und drosselt das Hunger- und Müdigkeitsempfinden. Kokain hat ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Klingt die Wirkung des Kokains ab, kippt die Euphorie häufig in eine depressive Stimmung. Das wiederum steigert den Wunsch, erneut Kokain zu konsumieren. Dadurch erhöht sich das Risiko abhängig zu werden. 

Methamphetamin

Diese Substanz gibt es als Pulver („Crystal Speed“) und in kristalliner Form („Crystal Meth“). Je nachdem, ob die Substanz geschnieft, geschluckt oder gespritzt wird, setzt die Wirkung nach wenigen Sekunden bis einigen Minuten ein und hält zwischen 6 und 48 Stunden an. Die Einnahme steigert die Geselligkeit, drosselt den Appetit und hindert am Einschlafen. Klingen diese Wirkungen ab, können Reizbarkeit, Unruhe, Angstgefühle, depressive Symptome und Teilnahmslosigkeit die Folge sein. Viele Menschen nehmen Methamphetamin nur gelegentlich zu bestimmten Anlässen ein und werden nicht abhängig. Wer die Substanz jedoch wiederholt und über mehrere Tage einnimmt, hat ein erhöhtes Risiko abhängig zu werden. Denn auf die Phase der Euphorie („Run“) folgt die Entzugsphase („Crash“), die gekennzeichnet ist durch ein erhöhtes Verlangen nach der Substanz. Vor allem für eine psychische Abhängigkeit ist das Potenzial hoch.

Halluzinogene

LSD (Lysergsäurediethylamid) ist eines der bekanntesten künstlich hergestellten Halluzinogene. Der Ausgangsstoff Lysergsäure wird aus dem Mutterkornpilz gewonnen. Es gibt andere Pilzarten, die den Wirkstoff Psilocybin enthalten. Psilocybin wird im Körper zu dem psychoaktiv wirkenden Psilocin abgebaut. Die Pilze kann man roh verzehren, getrocknet essen oder als Aufguss trinken. In bestimmten Mengen konsumiert, verursachen die Pilze einen LSD-ähnlichen Rausch mit Angstzuständen (Horrortrip). Flashbacks sind im Gegensatz zu LSD beim Konsum psilocybinhaltiger Pilze nicht bekannt. Von Flashbacks spricht man, wenn lange nach der Einnahme der Droge – wenn die eigentliche Wirkung bereits verflogen ist – noch halluzinogene Effekte auftreten.

Cannabis

Cannabis bezeichnet Stoffe, die sich aus der Hanfpflanze gewinnen lassen. Die Blüten werden oft getrocknet und als Marihuana oder Gras angeboten. Ist von „Haschisch“ die Rede, meint man das Harz der Pflanze. Beides wird häufig zerbröselt, mit Tabak vermischt und als Joint geraucht. Wer Haschisch statt Gras konsumiert, nimmt höhere Mengen des berauschenden Tetrahydrocannabinol (THC) auf. THC kann das Wohlbefinden steigern und die Stimmung bis hin zur Euphorie heben. Manchmal verursacht es Schläfrigkeit oder Lachanfälle. Denken, Gedächtnis, Motorik und Zeitgefühl werden beeinflusst. Ein anhaltender Konsum kann zu einer starken Lust- und Interessenlosigkeit führen. Wer langfristig hoch dosiertes THC konsumiert, kann davon psychisch abhängig werden. Wird der Konsum nach einer längeren Phase eingestellt, sind körperliche Entzugssymptome möglich. Cannabis kann zudem die Gehirnentwicklung stören. Die Reifung des Gehirns ist erst im jungen Erwachsenenalter abgeschlossen. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre sind daher besonders gefährdet durch den Konsum von Cannabis. 

Seit dem 01. April 2024 ist es in Deutschland für Erwachsene legal, Cannabis anzubauen, zu kaufen und zu konsumieren. Hierfür gelten jedoch bestimmte Voraussetzungen:

  • Erwachsene dürfen privat maximal 3 Cannabis-Pflanzen anbauen.
  • Um Cannabis privat anzubauen, dürfen Erwachsene Cannabissamen aus EU-Mitgliedsstaaten zum Beispiel über das Internet erwerben.
  • Verboten ist hingegen, Cannabis aus dem Ausland nach Deutschland einzuführen.
  • Ab dem 01. Juli 2024 dürfen Erwachsene als Mitglieder in Anbauvereinigungen Cannabis anbauen.
  • Für diese Anbauvereinigungen gelten verschiedene gesetzliche Rahmenbedingungen. In diesen ist zum Beispiel geregelt, wieviel Cannabis an Mitglieder abgegeben werden darf.
  • Erwachsene dürfen bis zu 25 Gramm getrocknetes Cannabis im öffentlichen Raum besitzen. Im privaten Raum dürfen es bis zu 50 Gramm sein.
  • Für Kinder und Jugendliche bleibt Cannabis weiterhin verboten.

Weitere Informationen zu den gesetzlichen Regelungen finden Sie auf der Themenseite des Bundesgesundheitsministeriums sowie in den Fragen und Antworten der Bundesregierung zur Cannabis-Legalisierung.

Jugendliche, Eltern, Fach- und Lehrkräfte sowie alle Interessierten finden auf der Website Cannabispraevention.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zahlreiche Informationen zum Thema Cannabis. 

Unter bestimmten Voraussetzungen darf Cannabis bereits seit 2017 auch als Medizin eingesetzt werden. Medizinisches Cannabis kann zum Beispiel bei chronischen Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen oder Muskelkrämpfen verschrieben werden, wenn vorige Behandlungen keinen ausreichenden Erfolg erzielt haben. Die Wirkung von Cannabis-Präparaten ist jedoch wissenschaftlich nicht sicher belegt. Zudem können Nebenwirkungen auftreten. 

Wie viele Menschen konsumieren Cannabis und illegale Drogen?

Nach aktuellen Studiendaten haben etwa 3 von 100 Erwachsenen zwischen 18 und 59 Jahren innerhalb der letzten 12 Monate illegale Drogen konsumiert. Bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren war es etwa eine von 100 Personen (ohne Cannabis). Cannabis wird hingegen auch unter Jugendlichen deutlich häufiger konsumiert als andere illegale Drogen: Knapp 8 Prozent der 12- bis 17-jährigen haben in den letzten 12 Monaten Cannabis konsumiert.

Etwa einer von 100 Jugendlichen hat innerhalb eines Jahres illegale Drogen konsumiert. Cannabis haben in diesem Zeitraum hingegen knapp 8 von 100 Jugendlichen konsumiert.

Sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen ist die am häufigsten konsumierte Substanz Cannabis. Die Zahl der Konsumentinnen und Konsumenten nimmt vom späten Kindesalter bis zum jungen Erwachsenenalter kontinuierlich zu. Unter Jungen und jungen Männern ist der Cannabiskonsum stärker verbreitet als unter Mädchen und jungen Frauen.

Wichtig zu wissen: Trotz Legalisierung bleibt Cannabis für Kinder und Jugendliche verboten. Um Kinder und Jugendliche zu schützen, sieht das neue Cannabisgesetz verschiedene Schutzmaßnahmen vor. So darf Cannabis zum Beispiel nicht in unmittelbarer Nähe von Personen unter 18 Jahren konsumiert werden. Außerdem ist der Konsum von Cannabis in Fußgängerzonen zwischen 7 bis 20 Uhr verboten. Auch in Sichtweite von Schulen, Kindergärten, Spielplätzen oder Jugendeinrichtungen darf man kein Cannabis konsumieren.

Der Konsum von anderen Substanzen wie Ecstasy, LSD, Heroin, Kokain, Crystal Meth oder Halluzinogenen ist deutlich weniger verbreitet.

Welche Faktoren begünstigen Drogenmissbrauch und Drogenabhängigkeit?

Ob sich aus einem gelegentlichen Konsum von Cannabis oder illegalen Drogen ein Missbrauch oder eine Abhängigkeitserkrankung entwickelt, hängt von der Art der Substanz und der Häufigkeit des Konsums ab sowie von körperlichen, seelischen und sozialen Faktoren. 

Wächst man zum Beispiel mit Eltern oder Geschwistern auf, die Drogen konsumieren oder ist Drogenkonsum im Freundeskreis verbreitet, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, selbst zu Drogen zu greifen. Zudem können traumatische Ereignisse wie ein Missbrauch im Kindesalter zu Drogenkonsum als Bewältigungsstrategie führen.

Darüber hinaus spielt es eine wesentliche Rolle, wie stark man den Effekt der Droge als emotionalen Gewinn wahrnimmt. Je höher der Zugewinn eingestuft wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, die Substanz erneut zu konsumieren.

Weitere Faktoren, die einen Missbrauch von Drogen fördern, sind unter anderem:

  • geringe Selbstkontrolle und Selbstachtung
  • negative Gemütslage
  • Probleme im Sozialverhalten
  • fehlende Strategien, um Probleme zu lösen
  • wenig Engagement, zum Beispiel in der Schule
  • Lust an Sensation und Grenzüberschreitung

Wie wirken illegale Drogen und Cannabis?

Illegale Drogen greifen in den Gehirnstoffwechsel ein, indem sie die Weiterleitung von Reizsignalen von einer Nervenzelle zur anderen beeinflussen.

Illegale Drogen beeinflussen die Weiterleitung von Reizsignalen von einer Nervenzelle zur anderen.

Die Reizweiterleitung wird durch Botenstoffe (Neurotransmitter) vermittelt. Zu den körpereigenen Neurotransmittern zählen unter anderem Dopamin und Serotonin.

Drogen können – je nach Art der konsumierten Substanz – die Reizweiterleitung auf verschiedene Weise beeinflussen.

Der Konsum von Amphetaminen und Methamphetamin beispielsweise bewirkt, dass der Botenstoff Dopamin vermehrt ausgeschüttet wird, was positive Stimmungen fördert.

Stoffe wie Kokain hingegen verhindern, dass Dopamin und Serotonin wieder in die aussendende Nervenzelle aufgenommen werden. Dadurch sind größere Menge Dopamin und Serotonin frei verfügbar, was ebenfalls Glücksgefühle verstärkt.

Bei Halluzinogenen wie LSD beruht die Wirkung darauf, dass LSD strukturell ähnlich ist zu Serotonin und die Wirkung dieses Botenstoffs nachahmt.

Die Wirkung von Cannabis beruht auf der Bindung des in Cannabis enthaltenen Suchtmittels THC an Cannabinoid-Rezeptoren, wodurch es vermehrt zur Ausschüttung von Dopamin kommt.

Opiate wie Heroin entfalten ihre Wirkung, indem sie Opiatrezeptoren aktivieren – spezielle Andockstellen im Gehirn. Das verstärkt zum Beispiel positive Empfindungen und hemmt das Schmerzempfinden.

Welche Folgen kann der Konsum von illegalen Drogen und Cannabis haben?

Konsumiert man Drogen regelmäßig, kann das abhängig machen. Eine Drogenabhängigkeit geht mit verschiedenen körperlichen und psychischen Folgeerkrankungen einher. Kommt es zu einer Überdosierung oder einer ungünstigen Mischung verschiedener Suchtmittel, ist es möglich, daran zu sterben.

Vorliegen einer Abhängigkeit

Es gibt sechs international gültige Kriterien, mit deren Hilfe man eine Abhängigkeitserkrankung feststellen kann:

  • starker Wunsch oder Drang, ein Suchtmittel zu konsumieren
  • zunehmender Verlust der Kontrolle über Beginn und Ende des Konsums sowie die konsumierte Suchtmittelmenge
  • Auftreten körperlicher Entzugssymptome nach dem Ende des Konsums oder bei Verringerung des Konsums
  • Vorhandensein von Toleranz: Um die gewünschte Wirkung zu erreichen, sind zunehmend höhere Mengen des Suchtmittels erforderlich.
  • verstärkte Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen zugunsten des Substanzkonsums; erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen oder sich von den Folgen des Konsums zu erholen
  • anhaltender Substanzgebrauch, obwohl bereits körperliche, psychische oder soziale Folgeschäden bestehen

Waren im Lauf eines vergangenen Jahres drei oder mehr dieser Kriterien erfüllt, liegt eine Abhängigkeitserkrankung vor. Sind weniger als drei Kriterien erfüllt, aber schon Folgen des Konsums spürbar, stuft man das als schädlichen Gebrauch ein.

Körperliche Folgeerkrankungen

Ein anhaltender Konsum von Amphetaminen, Kokain und Ecstasy geht mit Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Bluthochdruck und Herzrasen einher. Hoch dosiert können Amphetamine und Kokain zu Herzstillstand oder plötzlichem Herztod führen. Außerdem erhöht sich für Menschen, die Amphetamine konsumieren, das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Zu den schwerwiegenden Folgen von Ecstasy zählen zudem erhöhte Körpertemperatur (Hyperthermie) und Austrocknung, Nieren- und Leberversagen sowie Kreislaufkollaps.

Auch die Einnahme von Methamphetamin kann zu einer Hyperthermie führen. Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem in überhitzten Räumen bei gleichzeitiger körperlicher Anstrengung, beispielsweise beim Tanzen im Club. Bei einem hoch dosierten Gebrauch können unter anderem Probleme wie starker Gewichtsverlust, Essstörungen, Magenschmerzen, Hautentzündungen („Speed-Pickel“), Mundfäule und Zahnausfall hinzukommen.

Heroin löst in seiner reinen Form keine direkten Organschäden aus. Allerdings reagieren Menschen, die nicht an die Substanz gewöhnt sind, schon bei 5 Milligramm mit Bewusstlosigkeit, verlangsamter Atmung (Atemdepression) und verringerter Herztätigkeit sowie Kreislaufversagen, was bei Überdosierung zum Tod führen kann.

Drogen wie Amphetamine oder Kokain lösen zudem Krampfanfälle aus. Werden Drogen über die Vene gespritzt und wird dabei die Hygiene nicht eingehalten, erhöht sich das Risiko für Infektionskrankheiten wie Hepatitis B, Hepatitis C und HIV.

Wichtig zu wissen: Gesetzlich Krankenversicherte ab 35 Jahren können sich im Rahmen des Gesundheits-Check-ups einmalig auf Hepatitis B und Hepatitis C testen lassen. Das ist vor allem wichtig für Menschen, die Drogen spritzen. Darüber hinaus bieten Einrichtungen der Drogenhilfe anonyme Hepatitis-C- und HIV-Schnelltests sowie Impfungen gegen Hepatitis an.

Psychische Folgeerkrankungen

Der regelmäßige Konsum von Cannabis beeinflusst die Leistungsfähigkeit des Gehirns, also die kognitiven Fähigkeiten. Je länger und intensiver man Cannabis konsumiert, umso mehr nehmen Lern-, Konzentrations- und Gedächtnisleistungen ab. Insbesondere bei Menschen, die in jungen Jahren anfangen Cannabis zu nehmen, kann die Gehirneintwicklung beeinträchtigt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Konsum Psychosen auslöst, ist erhöht.

Viele Menschen, die von Opiaten wie Heroin abhängig sind, entwickeln einmal in ihrem Leben eine Depression, Angststörung oder Persönlichkeitsstörung. Ihr Risiko, an einer dieser psychischen Störungen zu erkranken, ist gegenüber nicht drogenabhängigen Menschen deutlich erhöht.

Der Konsum von Kokain kann zu Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma führen. Der Konsum von Amphetaminen, LSD und Marihuana kann Paranoia auslösen, die von Wahnvorstellungen geprägt ist. Ecstasy steht im Zusammenhang mit zum Beispiel massiven Angstzuständen (Horror-Trips) und psychotischen Störungen.

Bei einem anhaltenden Konsum von Methamphetamin ist starker Juckreiz mit Mikrohalluzinationen möglich. Damit bezeichnet man ein von der konsumierenden Person wahrgenommenes Gefühl von Ameisen- oder Käferkrabbeln unter der Haut. Medizinerinnen und Mediziner sprechen von Dermatozoenwahn.

Der Konsum von Halluzinogenen kann zu einer anhaltenden Wahrnehmungsstörung führen, auch halluzinogeninduzierte persistierende Wahrnehmungsstörung (HPPD) genannt. Eine HPPD liegt vor, wenn Flashbacks in Form von sich scheinbar bewegenden Objekten, intensiven Farben oder leuchtenden geometrischen Formen auftreten und diese den Alltag derart belasten, dass medizinische Hilfe notwendig ist.

Drogenbedingte Todesfälle

Im Jahr 2022 wurden in Deutschland 1.990 Todesfälle durch den Konsum illegaler Drogen registriert. 2021 starben 1.826 Menschen infolge des Drogenkonsums. Die häufigste Ursache war eine Überdosierung von Opioiden wie Heroin oder eine kombinierte Einnahme verschiedener Substanzen.

Wie kann man Drogenmissbrauch und Drogenabhängigkeit vorbeugen?

Es gibt verschiedene staatliche Maßnahmen zur Vorbeugung (Prävention) von Abhängigkeitserkrankungen. Ziel der Drogen- und Suchtpolitik ist es, den Konsum von Drogen jeder Art zu verringern sowie drogen- und suchtbedingten sozialen und gesundheitlichen Problemen vorzubeugen.

Die wichtigsten Maßnahmen zur Vermeidung und Bekämpfung des Drogenkonsums sind:

  • Aufklärung über die Gefahren des Konsums von Drogen durch zum Beispiel Kampagnen in Schulen
  • Förderung einer stabilen Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen, beispielsweise durch gut ausgestattete Kindertagesstätten, kleinere Schulklassen und Sportangebote
  • Stärkung und Erhaltung von Beratungs- und Behandlungsangeboten und Hilfen zum Ausstieg
  • Stabilisierung der gesundheitlichen und sozialen Situation der suchterkrankten Person durch Überlebenshilfen und Maßnahmen zur Schadensbegrenzung, beispielsweise Drogenkonsumräume oder eine Drogenersatztherapie bei Heroinabhängigkeit
  • Beschränkung des Drogenangebots durch gesetzliche Regulierungen und die Bekämpfung der Drogenkriminalität

Wichtig zu wissen: Drogenmissbrauch beginnt häufig bereits im Jugendalter. Deshalb spielt der Jugendschutz im neuen Cannabis-Gesetz eine große Rolle. Das Gesetz sieht auch vor, Präventionsangebote und frühe Behandlungsangebote für Jugendliche zu stärken, welche Cannabis konsumieren. 

Worauf zielt die Behandlung einer Drogenabhängigkeit?

Die Behandlung von Menschen mit einer Drogenabhängigkeit verfolgt verschiedene Ziele:

  • Sichern des Überlebens in Phasen des akuten Suchtmittelkonsums
  • Verhindern von körperlichen Folgeschäden
  • individuell angepasste sozio- und psychotherapeutische Behandlung und Stärkung von Selbsthilfepotenzialen
  • Sicherung des sozialen Umfelds und Verhinderung von sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung
  • Erreichen längerer Abstinenzphasen
  • konstruktive Bearbeitung von Rückfällen
  • therapeutische Aufarbeitung der Abhängigkeitsproblematik
  • berufliche und soziale Integration

Um die Ziele zu erreichen, ist es wichtig, dass die drogenabhängige Person in der Lage ist:

  • die Abhängigkeitserkrankung zu akzeptieren und Veränderungsbedarf zu formulieren
  • eine Behandlungsmotivation entwickelt und das Hilfsangebot annimmt
  • das Ziel des Verzichts (Abstinenz) akzeptiert

Um die Ziele umzusetzen, gibt es in Deutschland ein umfassendes medizinisches und psychosoziales Hilfesystem. Dieses besteht aus sechs Säulen:

  • Akuthilfe durch niedrigschwellige Angebote wie Schlafstätten. Sie verfügen häufig über eine medizinische Grundversorgung.
  • Ambulante Beratung und Behandlung: Das ist in speziellen Sucht- und Drogenberatungsstellen möglich.
  • Drogenentzug im Krankenhaus: Der Körper wird von der Substanz entgiftet. Geht der Entzug mit einer psychosozialen Betreuung einher, spricht man von einer qualifizierten Entgiftung.
  • Betreuung im Nahtlosigkeitsmodell: Das bezeichnet den nahtlosen Übergang von einer akuten Entgiftung in die stationäre Therapie.
  • Übergangsbetreuung: Verbindung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung. Sie soll betroffenen Menschen eine Ruhephase und Zeit für weitere Therapie-Entscheidungen bieten.
  • Substitution und psychosoziale Beratung: Schnittstelle zwischen ärztlicher Ersatztherapie (Substitution) und Drogenhilfesystem, insbesondere für Menschen mit Heroinabhängigkeit. Laut dem Substitutionsregister befinden sich rund 80.000 Menschen dauerhaft in Therapie.
  • Behandlung im Rahmen einer Suchtrehabilitation: Diese erfolgt über mehrere Monate ambulant, teilstationär oder stationär, zum Teil unter einer Ersatztherapie.
  • Nachsorge: Diese erfolgt teilstationär oder ambulant. Das Angebot umfasst Möglichkeiten der schulischen und beruflichen Ausbildung, um den Weg in ein drogenarmes oder drogenfreies Leben zu unterstützen.

Wichtig zu wissen: Psychotherapeutische Behandlungen spielen in der ambulanten wie stationären Entwöhnungsbehandlung eine zentrale Rolle. Die am besten untersuchte und wirksamste Form der Psychotherapie in der Suchtbehandlung ist die kognitive Verhaltenstherapie.

Welche Möglichkeiten der Suchtberatung gibt es?

Menschen, die Probleme mit Drogen haben, und deren Angehörige können sich an Suchtberatungsstellen in ganz Deutschland wenden. Dort hilft ein Team aus Expertinnen und Experten der Medizin, Psychologie, Sozialpädagogik und sozialen Arbeit. Alle Mitarbeitenden unterliegen der Schweigepflicht.

Auf der Website der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. können Sie im Suchthilfeverzeichnis nach passenden Angeboten in Ihrer Nähe suchen.

Eine Möglichkeit, sich online zum Thema Sucht beraten zu lassen, bietet die Website DigiSucht. Betroffene und deren Angehörige finden dort Antworten zu Fragen rund um die Themen Drogen, Substanzkonsum, Glücksspiele und Medienkonsum.

Selbsthilfegruppen unterstützen und fördern den Austausch mit anderen Menschen, die ähnliche Erfahrungen im Umgang mit illegalen Drogen gemacht haben oder Angehörige mit einer Abhängigkeitserkrankung haben.

Auf der Website der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) können Sie über eine Datenbank geeignete Selbsthilfe-Angebote finden.

Wo kann man sich noch zu Drogen und Drogenabhängigkeit informieren?

Weiterführende Informationen zu Drogen von A–Z und ihren Auswirkungen bietet das Drogenlexikon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Vertiefende Informationen zur Vorbeugung von Cannabiskonsum bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter cannabispraevention.de. Das Angebot richtet sich an Jugendliche, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer und pädagogisches Fachpersonal.

Geprüft durch den Fachverband Sucht+ e.V.

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