Gesund leben Psychische Gesundheit: Im Alter geistig fit bleiben

Den Schlüssel vergisst jeder einmal. Aber wo ist die Grenze zwischen Vergesslichkeit und Demenz? Und wo zwischen Besorgnis oder Trauer und Depression? In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über psychische Gesundheit im Alter und was man tun kann, um geistig fit und zufrieden zu bleiben.

Auf einen Blick

  • Im normalen Alterungsprozess verändern sich die körperlichen und geistigen Fähigkeiten, was viele Menschen als besorgniserregend oder angsteinflößend empfinden.
  • Ein gesunder Lebensstil und soziale Kontakte tragen zur Erhaltung der psychischen Gesundheit im Alter bei.
  • Angehörige können dabei unterstützen, Herausforderungen zu begegnen. Für besondere Bedürfnisse, zum Beispiel im Rahmen einer Demenz, gibt es spezifische Angebote für Betroffene und Angehörige.
  • Depressionen und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes sind Risikofaktoren für die Entwicklung einer Demenz und sollten schon im mittleren Lebensalter konsequent behandelt werden.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Psychische Gesundheit im Alter: Vier ältere Menschen sitzen am Tisch und spielen Karten. Sie lachen und wirken fröhlich.

Psychische Gesundheit im Alter

Im Alter verändert sich vieles. Körperliche und geistige Fähigkeiten können nachlassen. Das kann besorgniserregend sein oder Angst hervorrufen. Außerdem verliert ein Mensch im Laufe der Jahre immer mehr enge Freunde und Familienmitglieder. Das kann zu Phasen der Einsamkeit und Traurigkeit führen.

Aber nicht hinter jedem vergessenen Namen oder einer traurigen Stimmung steckt eine Erkrankung: Manchmal etwas zu vergessen oder langsamer zu werden ist normal und kein Grund zur Sorge. Dennoch zählen Depressionen und Demenz zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter. Durch das eigene Verhalten kann man aber zur Vorbeugung dieser Erkrankungen beitragen.

Bei einer Depression bestehen anhaltend eine tiefe Traurigkeit, ein Verlust an Interessen und Energielosigkeit. Häufig kommen weitere Symptome hinzu wie Konzentrationsschwierigkeiten, vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Unruhe oder Verlangsamung, Hoffnungslosigkeit, Schlafstörungen, verminderter Appetit und Gedanken, nicht mehr leben zu wollen. Gerade bei älteren Menschen kann sich eine Depression auch durch körperliche Beschwerden wie beispielsweise unerklärliche Schmerzen äußern.

Bei einer Demenz kommt es zu einem allmählichen Verlust der geistigen Fähigkeiten. Zunächst ist häufig das Kurzzeit-Gedächtnis beeinträchtigt, später auch das Langzeitgedächtnis. Im Lauf der Zeit verlieren Menschen mit Demenz zunehmend weitere Fähigkeiten: Die Aufmerksamkeit, das Auffassungsvermögen, die Orientierung, die Sprachkompetenz schwinden. Auch das Verhalten kann stark verändert sein. Dabei sind die Beeinträchtigungen so stark, dass Betroffene Schwierigkeiten haben, ihren Alltag zu bewältigen.

Wichtig zu wissen: Besteht die Befürchtung, dass man selbst oder ein Angehöriger unter einer Depression oder Demenz leiden könnte, so ist die Hausärztin oder der Hausarzt eine gute Anlaufstelle. Bei Verdacht auf Depression kann es aber auch helfen, eine psychologische Beratungsstelle aufzusuchen. Bei Verdacht auf Demenz kann man auch eine Gedächtnissprechstunde besuchen.

Würdevoll alt werden

Die Lebensqualität im Alter ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Für jeden Menschen kann es daher etwas anderes bedeuten, würdevoll alt zu werden. Viele Menschen wünschen sich beispielsweise, Aktivitäten des täglichen Lebens weiter ausführen zu können. Wer seine körperliche und geistige Leistungsfähigkeit fördert, kann selbst einen Beitrag dazu leisten, sich eine gewisse Selbstständigkeit zu erhalten.

Für gewöhnlich steigt mit dem Alter die Abhängigkeit von anderen Menschen. Entscheidungen selbst treffen zu können und Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen sowie Privatsphäre und persönlicher Raum spielen für die Erhaltung der Lebensqualität daher eine große Rolle. 

Zahlreiche Studien zeigen, dass psychische Gesundheitsprobleme die Lebensqualität älterer Menschen beeinträchtigen. Dann können Ärzte, Psychiater oder klinische Psychologen helfen.

Depression und Angst im Alter

Angsterkrankungen und Depression sind neben Demenzerkrankungen die häufigsten psychischen Gesundheitsprobleme bei älteren Menschen. Vor allem soziale Isolation, aber auch körperliche Einschränkungen, schlechtes Sehen und Hören gehen mit Depressionen einher.

Depression

Man schätzt, dass 17 Prozent der Menschen über 75 Jahren depressive Störungen haben und 7 Prozent an schweren Depressionen erkrankt sind. Schwere Depressionen treten im Alter nicht häufiger auf als in anderen Lebensphasen. Es gibt jedoch im Alter mehr depressive Verstimmungen, die keinen Krankheitscharakter besitzen und auf die man selbst einwirken kann.

Man schätzt, dass 17 Prozent der Menschen über 75 Jahre depressive Störungen haben und 7 Prozent an schweren Depressionen erkrankt sind.

Es gibt einiges, was man bei depressiven Verstimmungen selbst tun kann: 

  • Kontakte zu anderen Menschen pflegen: Wenn man sich niedergeschlagen fühlt, verliert man möglicherweise das Interesse an sozialen Kontakten. Dadurch kann jedoch ein Teufelskreis entstehen, denn durch soziale Isolation kann man sich noch einsamer fühlen. Telefonate oder Verabredungen können die Einsamkeit durchbrechen.
  • Auch kleinere Aktivitäten wie Kochen oder Musikhören können die Stimmung verbessern. 
  • Regelmäßiger Sport bei erreichbaren Zielen reduziert Studien zufolge depressive Verstimmungen auch bei älteren Menschen und fördert – in der Gruppe ausgeübt – soziale Kontakte.
  • Unterstützung durch Angehörige und Bekannte annehmen: Gemeinsame Aktivitäten wie Spaziergänge, das Betrachten von Fotos und Gespräche helfen ebenfalls. Nicht immer ist das für die Betroffenen einfach: Angehörige sollten eine Zurückweisung daher nicht persönlich nehmen und respektieren.

Eine Depression im Alter äußert sich seltener durch eine traurige Stimmung und geht mit weniger klaren Symptomen einher als bei jüngeren Menschen. Besonders wenn sie vorwiegend geistige Beeinträchtigungen mit sich bringt, kann sie leicht mit einer Demenz verwechselt werden. 

Eine Depression lässt sich durch Medikamente oder psychotherapeutisch behandeln. Bei länger andauernden Anzeichen ist deshalb eine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung sinnvoll, auch weil eine unbehandelte Depression chronisch werden kann. Zudem können manche Medikamente eine Depression verschlimmern oder verursachen, beispielsweise blutdrucksenkende Mittel, Beruhigungsmittel oder Medikamente gegen Parkinson und Krebs. Hier kann die Ärztin oder der Arzt prüfen, ob Alternativen besser geeignet sind.

Angsterkrankungen

Angsterkrankungen können die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Bei älteren Menschen stehen häufig Sorgen um die Gesundheit oder um Angehörige im Vordergrund. Angst vor Stürzen oder dem Nachlassen der eigenen Fähigkeiten können beispielsweise zu sozialem Rückzug und depressiven Verstimmungen führen. Gerade bei älteren Menschen kann sich Angst auch in körperlichen Beschwerden wie Schmerzen, Schwindel, Atemnot oder Schlafstörungen äußern. Häufig werden Angsterkrankungen bei älteren Menschen nicht erkannt. Einige Betroffene scheuen sich, über ihre Schwierigkeiten zu sprechen oder halten sie für einen normalen Teil des Alterungsprozesses. In manchen Fällen können Angstzustände aber auch die Folge einer körperlichen Erkrankung oder eine Nebenwirkung von Medikamenten sein. Wenn Ängste den Alltag beeinträchtigen, sollte man sich daher nicht scheuen, ärztlichen oder psychotherapeutischen Rat einzuholen.

Um Ängsten vorzubeugen, können regelmäßige körperliche Aktivität, geistige Anregung, Sozialkontakte und Entspannungsmethoden helfen. 

Was kann man bei Demenz tun?

Bei einer Demenz lassen die geistigen Fähigkeiten über das normale Maß hinaus nach. Besonders davon betroffen sind das (Kurzzeit-)Gedächtnis, die zeitliche und räumliche Orientierung und die Sprache. Oft kommt es zu Verhaltensänderungen, beispielsweise sind die Betroffenen lustlos, ängstlich, haben Wutausbrüche, sind hyperaktiv, unruhig oder ziehen sich zurück. Depressive Episoden kommen bei Demenz ebenfalls vor.

Die meisten Demenzformen – darunter die Alzheimer-Erkrankung und die vaskuläre Demenz – sind bislang nicht heilbar. Einige Medikamente können das Fortschreiten jedoch verzögern. Ob sie geeignet sind, hängt von der Form und Schwere der Demenz ab.

Der erste Schritt beim Verdacht auf eine Demenz ist ein Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt. Eine erste Demenzdiagnostik und -therapie kann in der Regel in der Hausarztpraxis durchgeführt werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, eine sogenannte Gedächtnissprechstunde aufzusuchen. Dort sind Ärzte und Ärztinnen sowie Psychologen und Psychologinnen besonders auf Fragen der Demenz spezialisiert.

Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. bietet auf ihrer Website eine Suche für Gedächtnisambulanzen und Gedächtnissprechstunden.

Betroffene können aber auch selbst etwas tun, um das Gedächtnis zu fördern und dazu beitragen den Alltag besser zu bewältigen. Dazu zählen:

  • Aktivitäten, die Erinnerungen wecken oder geistige Fähigkeiten anregen (die sogenannte kognitive Stimulation), wie Rätsel lösen, Kopfrechnen, das Gedächtnis bewusst trainieren
  • viel körperliche Bewegung, beispielsweise Nordic Walking
  • Singen, das Spielen oder auch Neulernen von Musikinstrumenten
  • möglichst nicht rauchen und Übergewicht vermeiden
  • mit anderen Menschen intensiven Austausch pflegen
  • seinem eigenen Älterwerden möglichst viel Gutes abgewinnen und das eigene Altern nicht negativ bewerten
  • sich engagieren, beispielsweise in einem Ehrenamt
  • Stress möglichst vermeiden

Wieso ist Vorbeugung schon im mittleren Alter wichtig?

Auch wenn das Alter der stärkste bekannte Risikofaktor für eine sinkende geistige Leistungsfähigkeit ist, so können viele weitere Umstände und Krankheiten dazu beitragen, dass beispielsweise Durchblutungsstörungen im Gehirn oder eine Demenz entstehen. Einige kann man beeinflussen oder behandeln lassen, wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Diabetes, Übergewicht oder Rauchen. Wer sein Leben schon im mittleren Alter aktiv gestaltet, kann späteren Erkrankungen vorbeugen. Dazu gehören vor allem regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ein aktives geistiges und soziales Leben.

Einer Demenz Erkrankung vorbeugen durch: regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ein aktives geistiges und soziales Leben.

Welche Faktoren kann man selbst beeinflussen?

  • Sport: Ein körperlich aktiver Lebensstil ist relativ eng mit der mentalen Gesundheit verbunden. Auch Menschen ab 65 Jahren wird allgemein empfohlen, mindestens 150 Minuten pro Woche aktiv sein. Dabei geht es keinesfalls um sportliche Höchstleistungen, sondern um eine mäßige Intensität. Generell gilt: Je mehr, desto besser. Wichtig ist, moderat zu starten und sich langsam zu steigern. Bei Personen mit eingeschränkter Mobilität unterstützt regelmäßige Bewegung auch das Gleichgewicht und beugt Stürzen vor. Gezielte Balanceübungen sind von Vorteil. Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht den allgemeinen Empfehlungen folgen kann, sollte dennoch so aktiv wie möglich sein.
  • Soziale Aktivitäten und Kontakt zu anderen Menschen können depressiven Verstimmungen vorbeugen und sind gewissermaßen ein geistiges Training.
  • Ernährung: Studien haben ergeben, dass die Umstellung auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zur Vorbeugung vieler Erkrankungen beiträgt. Dazu gehören auch Erkrankungen, die das Risiko für Demenz erhöhen, wie zum Beispiel Diabetes.
  • Rauchen ist mit vielen Erkrankungen verbunden, unter anderem mit sinkender geistiger Leistungsfähigkeit und Demenz.
  • Alkohol: Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass ein übermäßiger Alkoholkonsum ein Risikofaktor für Demenz und geistige Beeinträchtigung ist.
  • Hör- und Sehverlust: Schwerhörigkeit tritt im Alter häufig auf, schätzungsweise jeder dritte Erwachsene ab 65 Jahren und jeder zweite ab 80 Jahren ist betroffen. Die Auswirkungen von Hörverlust werden häufig unterschätzt: Hörverlust kann Studien zufolge das Risiko einer Demenz nahezu verdoppeln. Schwerhörigkeit beeinträchtigt das soziale und emotionale Wohlbefinden: Sie erschwert die Kommunikation mit anderen, was zu Frustration, Isolation und Einsamkeit führen kann. Bedeutsame Beeinträchtigungen der Sehfähigkeit liegen bei jeder vierten Person über 65 Jahren und jeder dritten über 80 Jahren vor. Sie bedrohen die Selbständigkeit und Mobilität. Gute Hör- und Sehhilfen sind deshalb ein „Muss“ im Alter.
  • Körpergewicht: Starkes Übergewicht (Adipositas) in der Mitte des Lebens begünstigt zahlreiche Erkrankungen, die die Lebensqualität im Alter beeinträchtigen können, darunter auch Demenz. Man vermutet, dass ein Gewichtsverlust indirekt das Demenzrisiko verringert, weil sich dadurch eine Vielzahl von Stoffwechselfaktoren verbessern, die mit der Entstehung von geistigen Beeinträchtigungen und Demenz zusammenhängen. Dabei scheinen Lebensstiländerungen im mittleren Lebensalter, die die Ernährung und die körperliche Aktivität umfassen, die besten Ergebnisse zu zeigen.
  • Bluthochdruck: Auch Bluthochdruck begünstigt viele Krankheiten, die typischerweise im höheren Lebensalter auftreten. Gerade Bluthochdruck in der Lebensmitte steht mit einem erhöhten Risiko für Demenz im Alter in Verbindung. Bluthochdruck kann oft durch eine gesunde Ernährung, Normalgewicht und ausreichend Sport gesenkt werden.
  • Diabetes mellitus: Typ-2-Diabetes und vor allem eine schlechte Kontrolle des Blutzuckers stehen mit einer sinkenden geistigen Leistungsfähigkeit im Alter im Zusammenhang. Mit Diabetes verbundene Komplikationen wie Nieren- und Augenschäden, Schwerhörigkeit sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen scheinen das Risiko für Demenz weiter zu erhöhen. Durch einen aktiven Lebensstil kann man die ungünstigen Folgen eines Diabetes auf die geistige Leistungsfähigkeit reduzieren.
  • Fettstoffwechselstörungen: Ein erhöhter Cholesterinwert ist einer der wichtigsten veränderbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Er lässt sich häufig schon durch Abnehmen und einen geringeren Verzehr von Lebensmitteln tierischen Ursprungs senken. Zahlreiche Studien haben einen Zusammenhang zwischen einem erhöhten Cholesterinspiegel und einem erhöhten Demenzrisiko aufgezeigt. Insbesondere scheinen hohe Cholesterin-Spiegel im mittleren Lebensalter die spätere Entwicklung einer Demenz zu begünstigen.
  • Depression: Studien zufolge wird das Risiko für Demenz durch das Vorliegen einer Depression annähernd verdoppelt. Die mögliche Behandlung von depressiven Verstimmungen und Erkrankungen trägt also auch zur Vorbeugung von Demenz bei. Wichtig zu wissen ist, dass geistige Beeinträchtigungen das Hauptsymptom einer Depression bei älteren Menschen sein können.

Was können Angehörige tun?

Der Kontakt zu Angehören ist für viele Menschen im Alter eine wichtige Stütze. Angehörige können dabei helfen, mit neuen Herausforderungen zurechtzukommen. 

Angehörige können auch zum Erhalt von Fähigkeiten beitragen, indem sie den Betroffenen nicht alles abnehmen. Je nach Einschränkung können einfache Arbeiten oft noch von den Betroffenen erledigt werden. 

Eine zeitige Planung ist vorteilhaft, um bei eintretenden Veränderungen vorbereitet zu sein und Wünsche festzulegen. Den Betroffenen sollte erklärt werden, dass ausgesprochene Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten widerrufen werden können.

Es ist sinnvoll, die Wohnung an veränderte Bedürfnisse anzupassen, beispielsweise für Rauchmelder, Sicherungen am Herd und genügend Licht zu sorgen sowie Stolperstellen zu beseitigen. Es gibt auch zunehmend „smarte“ technische Hilfsmittel, die entlasten können, beispielsweise einen Sensor, der anzeigt, wenn eine demente Person das Bett verlässt. Es ist wichtig, sich gut über diese neuen technischen Möglichkeiten zu informieren. 

Gerade die Entwicklung einer Demenz kann Angehörige vor besondere Herausforderungen stellen. Einige ältere Menschen wünschen jedoch keine gesundheitliche Beratung zum Thema Demenz. Angehörige sollten respektieren, dass es ein Recht auf Nicht-Wissen gibt: Die Diagnose einer Demenz kann eine Entlastung bedeuten, sie kann für Betroffene aber auch eine psychische Belastung darstellen und als Angriff auf die eigene Identität und Handlungsfähigkeit verstanden werden.

Menschen mit Demenz sollten in Entscheidungen, die sie selbst und ihre Pflege betreffen, so weit wie möglich einbezogen werden. Es können Hilfsmittel wie Bilder oder Texte in einfacher Sprache verwendet werden. Vorlieben, Abneigungen, die tägliche Routine, persönliche Erfahrungen und die Lebensgeschichte sollten berücksichtigt werden.

Körperliche Berührung kann als Kommunikationsmittel eingesetzt werden und eine beruhigende Wirkung haben. Dabei müssen aber ein Bedürfnis nach Distanz und die Privatsphäre des Erkrankten beachtet werden. Für Hilfeleistungen bei Demenz gibt es neben den Alzheimer-Gesellschaften heute auch Beratungsstellen in vielen Bundesländern.

Wichtig zu wissen: Subjektiv leiden die Angehörigen häufig stärker unter einer Demenz als die Betroffenen selbst, denn das Zusammenleben kann kräftezehrend sein. Dann ist es vorteilhaft, sich gut über Hilfs- und Trainingsangebote für Angehörige zu informieren und vorhandene Angebote zu nutzen. Das ist kein Ausdruck von Versagen, sondern eine wichtige Hilfe zur Selbsthilfe. Hierzu gibt es zunehmend auch Angebote im Internet und über Videotelefonie.

Welche Besonderheiten gibt es im Krankenhaus?

Gerade für viele ältere Menschen ist ein Krankenhausaufenthalt ein einschneidendes Ereignis. Häufig entstehen Gefühle der Einsamkeit und Hilflosigkeit. Insbesondere zusätzliche Bedürfnisse, beispielsweise im Rahmen einer Demenz, können im Krankenhausalltag untergehen. Halten Sie deshalb, gerade wenn ältere Angehörige ins Krankenhaus kommen, engen Kontakt mit ihnen und informieren Sie das medizinische Personal über mögliche Besonderheiten Ihrer oder Ihres Angehörigen.

Nach einer Operation unter Narkose kann im Krankenhaus plötzlich Verwirrtheit auftreten, auch „Delir“ genannt. Es handelt sich dabei nicht um eine Demenz, auch wenn beides manchmal schwer zu unterscheiden ist.

Ein Delir kann ferner auch durch Medikamente, Flüssigkeitsmangel, die unvertraute Umgebung im Krankenhaus und Stress hervorgerufen werden. Angehörige können die Betroffenen unterstützen, indem sie ihnen in der ungewohnten Umgebung Sicherheit und ein Gefühl der Verankerung vermitteln. Dabei können ein Bild der Familienangehörigen und persönliche Gegenstände helfen. Auch eine Uhr und ein aktueller Kalender erleichtern die Orientierung. Neuigkeiten über Nachbarn oder Familienereignisse bauen Gefühle der Isolation ab und erleichtern Betroffenen das Zurückfinden in die Realität. Falls normalerweise eine Brille oder ein Hörgerät benötigt werden, sollten diese auch im Krankenhaus verwendet werden.

Geprüft durch die Deutsche Gesellschaft für Psychologie.

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